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Anforderungen an das Grundmaterial

Hinweise für den Besteller / Auftraggeber

 

Zur Auswahl und Durchführung einer optimalen Vorbehandlung zählen genaue Angaben über das Grundmaterial und deren späteren Verwendungszweck. Ebenfalls haben wir nachstehend wichtige Anforderungen an das Grundmaterial aufgelistet.

 

Aluminium

Bei Aluminiumprofilen können Pressflöhe oder andere herstellungsbedingte Ablagerungen wie Graphitrückstände das optische Erscheinungsbild und die Haftfestigkeit der Beschichtung beeinflussen. Ab einer Rautiefe von Rmax>9µm können je nach Lacksystem und Glanzgrad auch Reststreifen sowie Rauhigkeitsunterschiede sichtbar werden.

 

Gussteile

Je nach Gussart und Gussqualität, insbesondere beim Einbrennen von Pulverlack, teilweise auch beim forcierten Trocknen von Flüssiglacken kann es zu Ausgasungen kommen. Diese zeigen sich als Bläschen und Poren (Krater) auf der beschichteten Oberfläche. Weiter können Trennmittel, die beim Gießen zum Einsatz kommen, Haftungsprobleme mit sich bringen. Diese Trennmittel sind dem Beschichtungsbetrieb zu benennen, um derartige Fehler zu vermeiden bzw. zu prüfen, ob es beschichtungsfähig ist.

 

Verzinkte Teile

Verzinkte Stahlteile neigen je nach Stahlqualität, Zinkschichtdicke und Hohlräumen in der Zinkschicht beim Einbrennen oder forcierten Trocknen von Pulver- und Flüssiglacken zu Ausgasungen. Dabei werden Bläschen und Poren (Krater) auf der beschichteten Oberfläche sichtbar.

Bei bandverzinkten (sendzimierverzinkten) Oberflächen können Passivierungsmittel (z. B. Transparentchromatierung) unzureichende Lackfilmhaftungen erzeugen. Deshalb sind nur solche Schutzschichten geeignet, die unter Schonung der Zinkschicht in der chemischen Vorbehandlung beseitigt werden können. Gegebenenfalls ist der Beschichter vom Kunden auf diesen Umstand hinzuweisen. Bei längerer Lagerung und einwirkender Feuchtigkeit kann es teilweise zu einer gut sichtbaren Weißrostbildung kommen. Diese Weißrostbildung muss vor der Aufbringung der Beschichtung entfernt werden. Dabei hat sich ein leichtes Strahlen (sweepen) bewährt. Gegebenenfalls sind die Teile nach vorheriger Absprache mit dem Auftraggeber (Mehrkosten) dieser Vorbehandlung zu unterziehen. Es dürfen zum Ausbessern keine Zinksprays verwendet werden diese neigen beim Erhitzen zur Blasenbildung.

 

Anodisierte (eloxierte Aluminiumteile)

Bei anodisierten Oberflächen kann es durch die Art der Anodisation, auch durch die durchgeführte Nachbehandlung (Verdichten in Belagsverhinderern) zu einer ungenügenden Lackfilmhaftung kommen. Deshalb sind entsprechende Informationen vom Lieferanten einzuholen, ggfs. eine Probebeschichtung einschließlich einer Vorbehandlung durchzuführen. Vereinzelt  haben sich zusätzliche mechanische Verfahren (Aufrauhen mit Kunststoffgewebe) bewährt. Sie stellen aber aufgrund der Art des Behandelns eine manuelle Vorbehandlung dar und können deshalb keine gesicherte Qualität bringen.

Ggfs. sind abgestimmte Vorbehandlungsverfahren einzusetzen. Bei der Verwendung von Flüssiglacken ist unter Umständen eine Grundierung vor der Deckbeschichtung aufzubringen.

 

Edelstahl, rostfrei (verchromte Teile)

Die bekannten Vorbehandlungsverfahren ergeben keine geeigneten Haftvermittlungsschichten, so dass die Lackfilmhaftung nur über eine entsprechende rauhe Oberfläche zu erreichen ist. Ohne eine derartige mechanische Aufrauhung können die Teile nur mit einer geeigneten Grundbeschichtung und anschließender Deckbeschichtung versehen werden. Ohne eine abgestimmte Behandlung ist die Verwendung nur in Innenbereichen möglich.

 

Beschichtete, ausgebesserte oder mit Zinkspray behandelte Teile

Beim Vorhandensein von unbekannten Beschichtungen kann es bei der nachfolgenden Oberflächenbehandlung zu einer Unverträglichkeit mit dem Untergrund kommen. Deshalb empfiehlt es sich, einen Beschichtungsversuch durchzuführen.

 

Zunderschichten und laserbedingte Verwerfungen von Kanten

Alle Zunderschichten wirken sich negativ auf die Haftungseigenschaften der nachfolgenden Beschichtung auf. Deshalb sind diese durch eine geeignete mechanische Vorbehandlung zu beseitigen (Strahlen, Schleifen, Bürsten).

Dies gilt auch für Grate, die sich beim Schneiden mit Laser oder anderen Stanzwerkzeugen ergeben. Die sehr scharfkantigen Ecken führen zu einer ausgeprägten Kantenflucht und können die Korrosionsbeständigkeit in diesem Bereich deutlich verschlechtern.

 

Korrosion

Korrosion ist in der Regel verbunden mit der Bildung sog. Korrosionsprodukte, die ähnliche Eigenschaften wie die bereits erwähnten Zunderschichten besitzen. Eine vollständige Entfernung ist notwendig.

 

Kleberückstände, Silikone und aufgebrachte Beschriftungen

Kleberückstände und Silikone wirken sich negativ auf das optische Erscheinungsbild aus. Sie erzeugen, meist nach der Beschichtung, gut erkennbare Krater und Schlierenbildung und reduzieren die Haftungseigenschaften des Beschichtungsstoffes der Materialoberfläche. Deshalb ist die Verwendung von silikonhaltigen Schweißsprays bei der vorherigen Bearbeitung der Rohteile zu vermeiden. Dasselbe gilt für silikonhaltige Handschutzcremes. Wurden entsprechende Stoffe eingesetzt, ist dies dem Beschichter unaufgefordert mitzuteilen.

Kleberückstände und Beschriftungen mit Filsstift oder ähnlichem sind an sichtbaren Stellen durch den Kunden mit geeigneten Lösungsmittel zu entfernen. Beides ist auch nach der Beschichtung deutlich zu sehen.

 

Fette und Öle

Fette und Öle als zeitlich begrenzte Korrosionsschutzstoffe können ebenfalls zu Haftungsproblemen der nachfolgend aufgebrachten Beschichtungen führen. Insbesondere, wenn es sich um ein sogenanntes Verharzen oder Polymerisieren der Öle handelt, ist besondere Vorsicht geboten. Müssen die zur Beschichtung vorgesehenen Teile ein hohes Anforderungsniveau (●●●●) erfüllen, sind die Teile in Absprache mit dem Beschichter mit einer abgestimmten Transportverpackung zu versehen. Sonst kann es zu Kratzern kommen, die das optische Erscheinungsbild nach der Beschichtung negativ beeinflussen. Es dürfen keine Silikone in den Fetten oder Ölen enthalten sein.

 

Beschichtung verschiedener Materialkombinationen

Wurden bereits verschiedene Grundmaterialien an einem Teil verarbeitet, ist auf jeden Fall ein Vorversuch notwendig. Bei der Verarbeitung ist darauf zu achten, dass Spalte- oder Sackbohrungen oder ähnliches vermieden werden, da dort nicht entfernbare Vorbehandlungsmittelreste zur Lackbeschädigungen oder auch Korrosion führen können. Auch kann es zu einer unterschiedlichen Lackfilmhaftung aufgrund der nicht immer optimalen Vorbehandlung kommen. Es ist deshalb unbedingt notwendig, bereits im Vorfeld vor einem Verbauen der unterschiedlichen Materialien die Problematik mit dem Beschichter zu besprechen.

 

Schweißnähte

Im Bereich von Schweißnähten ist durch das Vorhandensein von Oxidschichten mit einer verminderten Lackfilmhaftung zu rechnen. Diese können durch geeignete Verfahren wie zum Beispiel bürsten oder sandstrahlen entfernt werden.

Beschichtungsgerechtes Konstruieren

 

Wie bei der Konstruktion üblich, wählt man schon in der Konstruktionsfase die günstigste Methode für die Herstellung des Werkstücks. Leider wird hier oftmals die Oberfläche vergessen auch hier lassen sich Kosten sparen. Deshalb zeigen wir nachfolgend einige Konstruktionsbeispiele wie diese von der Oberflächentechnik gewünscht werden. Das wichtigste ist, dass der Beschichter die Teile aufhängen kann und daß, die Lösungen die wir für die Vorbehandlung benötigen, ablaufen können.

 



Bild 1

Das wichtigste sind die Aufhängebohrungen um die Werkstücke aufhängen zu können.

Diese können bei leichten Werkstücken bis 2 kg Gewicht 3-4 mm sein, bei größeren Werkstücken sollten diese Bohrungen mindestens 5 - 6mm groß sein. Die Bohrungen sollten am äußeren Rand liegen. In manchen Fällen brauchen auch keine Bohrungen angebracht werden da hier Hinterschnitte vorhanden sind an denen die Werkstücke aufgehängt werden können, aber nicht vergessen das Wasser der Vorbehandlung muss ablaufen können. Bei längeren Blechzuschnitten ohne stabilisierende Abkantungen sind mehrere Bohrungen auf der Länge anzubringen. Siehe rechtes Bild.

Sind es nur schmale und lange Blechstreifen so ist an der Unterseite das gleiche Lochbild anzubringen, an diesen Bohrungen werden dann weitere Blechtafeln aufgehängt um die Möglichkeiten der Beschichtungs- anlage voll auszunutzen, was auch Kosten spart.

Wenn Sie keine Bohrungen auf Ihrem Werkstück haben möchten, dann fertigen Sie die Rohteile etwas größer und schneiden nach dem Beschichten die unerwünschten Aufhängebohrungen weg. 



Bild 2 links

Hier haben wir links einen Rohrrahmen abgebildet bei dem oben zwei Aufhängebohrungen und unten zwei Bohrungen vorhanden sind, um das Wasser aus dem Rohrrahmen wieder herauszubekommen. Die unteren Bohrungen können auch verwendet werden um einen weiteren Rahmen darunterzuhängen.

Bild mitte:  Hier ist ein mehrfach abgekantetes Blech abgebildet auch hier gilt, das Wasser muss ablaufen können deshalb Entwässerungsbohrungen. Oben hätte auch direkt in den Blechrand eingehängt werden können.

Bild rechts:  Auf dem rechten Bild deutlich zu erkennen an den Blechrippen sind die Ecken abgeschnitten damit das Wasser ablaufen kann.


Bild 3 links: Hier sehen wir 2 übereinander verpunktete Bleche. Besonders wichtig ist hierbei, dass beide Bleche an den überlappten Stellen fettfrei sind. Beim Waschen ist das Fett nicht herauszubekommen beim Erhitzen zum Einbrennen der Beschichtung läuft dann das erhitzte und somit dünnflüssige Fett zwischen den Blechen hervor und gibt hässliche braune Flecken in der Beschichtung.

Bild mitte:  Hier handelt es sich um eine Rohrkonstruktion, die beidseitig verschlossen ist. Auch hier die Entwässerungs- Entlüftungsbohrungen nicht vergessen. Die Entlüftungsbohrung ist hierbei wichtig, da sich die Luft durch das erwärmen im Ofen ausdehnt und somit evtl. zu Verformungen führt.

Bild rechts: Hier handelt es sich um einen Ausschnitt aus einem Geländer. Dargestellt wurden 3 verschiedene Entwässerungsmöglichkeiten um das Wasser aus den Zwischenstäben heraus zu bekommen. Nicht vergessen die Bohrungen in den unteren Längsstäben.

Beschichten von verzinkten 

Werkstücken

 

Das Beschichten von bereits mit einer Zinkschicht versehenen Oberfläche nennt man Duplex-Systeme. Besonders gerne wird bei den Duplex-Systemen der Synergieeffekt aus verzinktem Grund und anschließender Beschichtung genutzt. Die Haltbarkeitsdauer des so behandelten Teiles wird mehr als verdoppelt da durch die Verzinkung der Rost nicht unterwandern kann. Die beiden Systeme schützen sich gegenseitig. Die anschließende Beschichtung kann mit geeigneten Flüssig- oder Pulverlacken erfolgen.

In allen Arten von Verzinkung bilden sich kleine Lufteinschlüsse welche sich besonders beim Pulverbeschichten durch die Erwärmung ausdehnen und dann entweicht die überschüssige Luft durch die Beschichtung. Dies kann zur Kraterbildung auf der Oberfläche führen.

 

Feuerverzinkte Oberflächen

Grundvoraussetzung für ein einwandfrei funktionierendes Duplex-System ist die einwandfreie Oberflächenvorbereitung um die unbewitterte Oxidschicht zu entfernen.

Hierbei kommen in Betracht:

Abbürsten bzw. Abwaschen mit speziellen Reinigungsmitteln.

Mechanisches Schleifen

Dampf- oder Druckwasserstrahlen

Sweep-Strahlen

 

Die feuerverzinkte Oberfläche ist von Natur aus mehr oder weniger eben. Diese Unebenheiten sind nach der Beschichtung sichtbar und lassen sich nicht vermeiden.

 

Band- oder Sendzimierverzinkte Oberflächen

 

Die Band- bzw. Sendzimierverzinkung ist eine dünne Schicht welche vornehmlich auf Bleche im Durchlaufverfahren aufgebracht wird. Da diese Werkstücke nach dem Verzinken verarbeitet werden, sind meist die Kanten nicht verzinkt.

Die Vorbehandlung dieser Verzinkungsart ist einsatzabhängig und kann phosphatiert oder für höhere Ansprüche chromatiert werden.

Diese Art von Verzinkung ist sehr glatt was ebenfalls eine sehr glatte Oberfläche beim Beschichten ergibt.

 

Galvanischverzinkte Oberflächen

 

Die galvanische Verzinkung ist eine Verzinkung die nach dem Verarbeiten aufgebracht wird und somit über eine einwandfreie Kantendeckung verfügt.

Die galvanische Verzinkung ist ebenfalls sehr glatt und lässt sich gut beschichten.